Quelle: Boulevard Schweinfurt | erschienen am 21.02.2007

Er nennt sich „singender Winzer“

... und sagt, in seinen Weinen sei Musik:
Gerhard Runge (51) aus Dürrfeld bei Grettstadt.



Ende 2005 hat er sein erstes Soloalbum „Weinlieder“ mit 14 Titeln veröffentlicht.
Herr Runge, es klingt unglaublich: Sie haben eine ganze CD dem Frankenwein gewidmet. Trinken Sie zu viel davon?
(lacht) Nein, die Idee ist aus der Not geboren: Die Vielfalt Frankens und seiner Weine ist schwierig zu kommunizieren, weil rund 7000 Winzer hier 6500 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Ich als fränkisches Gewächs möchte meine Heimat aber nach außen transportieren und dachte ich mir: Mit Musik geht vieles besser. Außerdem haben Lieder wie „Griechischer Wein“ auf einem fränkischen Weinfest für mich nichts verloren.

Sie hatten früher einen Bauernhof. Wie wird man vom Landwirt zum singenden Winzer?
Mein Hobby Musik ist seit langer Zeit auch mein Beruf. Ich war Jahre lang mit dem „Stuwwelpeter-Sextett“ auf Tournee. Dann wollte ich Musik und Wein auf meine besondere Weise miteinander verbinden: in heiteren oder tiefgründigen Liedern. Ich baute den Bauern- zum Weinerlebnishof mit Stube und Scheune um und biete jetzt zusammen mit meiner Lebensgefährtin musikalische Weinproben an. Mit der mobilen Version sind wir als Botschafter Frankens zum Beispiel regelmäßig in einem Hotel in Bad Füssing.

Ihre Lieder heißen „Bocksbeutelblues“, „Ich hab die Reblaus in mir“ oder „Männer mögen Frankygirls“. Wie viele Schoppen trinken sie, bevor sie die Texte schreiben?
(lacht) Einer reicht normalerweise, um in Stimmung zu kommen und mich vom Weingeist beflügeln zu lassen. Allerdings darf man ihm nicht zu sehr frönen – man muss ihm auch standhalten. Dann ist man ein großer Mensch, singe ich in einem meiner Lieder.

Woher haben Sie dafür die Ideen?
Die meisten Texte fallen mir am Weinberg ein, wenn ich in der Abgeschiedenheit der Natur den Kopf frei habe. Manchmal komme ich dann heim und habe ein neues Lied oder ein Gedicht in meinem Notizblock.

Sie gehen also auch noch unter die Autoren?
Nicht unbedingt, in erster Linie möchte ich mich auf meine Arbeit als Textdichter konzentrieren und meine vertonten Gedichte als Lieder veröffentlichen.

Stimmt es, dass Sie zu jedem Ihrer Weine den passenden Song haben?
Bei der Weinprobe finde ich zumindest über die Moderation immer den Brückenschlag zum jeweiligen Wein. Der Silvaner heißt bei uns „Serenade“, der Müller-Thurgau – die leichte Kost – „Musical“ und der Bacchus „Baila me“. Ballade war mir zu traurig für einen Wein, der auf der Zunge tanzt und in die Beine geht.

Wenn Sie ein Wein wären...
...wäre ich ein Silvaner, auf schwerem Boden in einer guten Lage gewachsen, ein tiefgründiger, harmonischer und nachhaltiger Wein, dem es trotz seiner Reife nicht an fruchtiger Frische fehlt, der erst so richtig gut beim zweiten Schoppen schmeckt.

Als Sänger sollten Sie Ihr Publikum aber doch besser von Anfang an betören.
Na ja, eine Weinprobe dauert ja mindestens zweieinhalb Stunden, genügend Zeit, um die Gäste zu überzeugen. Wenn sie uns dann beim Abschied die Hand geben und sagen, dass es ihnen gut gefallen hat, weiß ich, dass unser Frankenwein und meine Lieder den Weg zu ihren Herzen gefunden haben.

Mögen Sie denn auch Bier?
Selten.

Als guter Musiker müssten Sie trotzdem ein paar Bierlieder kennen. Vollenden Sie doch mal: Bier her, Bier her...
... oder ich fall um.

Richtig. Es gibt kein Bier...
...auf Hawaii.

Bravo, stimmt auch. Noch eins: Ja sind wir im Wald hier
...Nee, da muss ich passen.

... Wo bleibt unser Altbier...
Das hab ich noch nie gespielt, höre ich sogar zum ersten Mal. Ich bleibe wohl doch besser bei meinen Weinliedern.

Infokasten: Weinproben & Weinlieder
Musikalische Weinproben auf Gerhard Runges Hof WEIN & FRIENDS in Dürrfeld mit Frankenweinen und herzhaftem Essen gibt's für Gruppen zwischen 20 und 99 Personen. Preise auf Anfrage.
Mehr Infos im Internet unter: www.wein-friends.de
Seine CD „Weinlieder“ kostet 15 Euro und ist erhältlich unter: www.roner-records.de