Quelle: Der Markt Schweinfurt | erschienen am 01.03.2007

„Weg mit Anton!“

...wo bleiben die fränkischen Weinlieder?



Dürrfeld - „Es hat weh getan, auf fränkischen Weinfesten den 'Anton von Tirol' zu spielen“. Das soll anders werden.
Gerhard Runge, Berufsmusiker und Ex-Struwwelpeter, jetzt Winzer, will das „fränkische Weinliedgut“ erweitern, attraktiver machen. Der 46jährige dreifache Familienvater hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will die „fränkische Weinszene neu beleben, mit neuer fränkischer Identität“ ausstatten. Wie er das schaffen will, lesen Sie auf Seite 5 ...

Der Dürrfelder Gerhard Runge will für den Frankenwein eigene Lieder
Schluss mit dem 'Anton von Tirol'

... Schweinfurt - „Ich bin der einzige Winzer mit diesem musikalischen Potential“ weiß Runge, der sich gerade bei der Regierung zum Gästeführer der Fränkischen Weinregion ausbilden lässt. Der Posaunist, Bariton und Trompeter hat bereits einige Titel produziert, zusammen mit Fridel Schmidt, einem Mitglied des Orchesters Otti Bauer, dem Begleitorchester z. B. der Volkstümlichen Hitparade. Runge stellt sich eine poppige Mischung aus Swing, Klassik und Folklore-Elementen vor. Und will dies zusammen mit anderen Interpreten auch für andere produzieren. Als Zielgruppe hat er diejenigen im Auge, die für die Disco zu alt und für den Musikantenstadel zu jung sind.
Es herrscht „Notstand in der fränkischen Weinregion“ sagt Runge. Der Frankenwein, zu 80 Prozent in Franken getrunken,, hat nach seinen Worten, kein Qualitätsproblem, sondern ein Imageproblem. Er spricht sie junge Generation nicht an. Symbolfiguren,wie beispielsweise der Volkacher Ratsherr ziehen bei den Jungen nicht mehr. Außerdem könne der Frankenwein gegen die massive Werbung ausländischer Anbieter wenig ausrichten. Deshalb brauche es eine typisch fränkische Weinliedkultur. Runge ist überzeugt von der Wirkung der Musik als Träger von Botschaften. Da könne vieles bewegt werden, was der gesamten fränkischen Weinregion zugute käme. Runge ist von missionarischem Eifer beseelt („Lokalpatriotismus ist schon dabei“) und sucht jetzt Mitstreiter für seine Idee: Musiker (vorproduziertes Material für eine CD hat er schon), innovationsfreudige Winzer und Sponsoren. In seiner Band habe sich früher niemand getraut, eigene Lieder zu spielen, stattdessen besang man den Rhein. „Wir müssen so etwas, wie ein“Frankenweinfeeling“ hinkriegen, sagt Runge. Eine Mitstreiterin hat er schon. Seine Tochter Daniela, 21 studiert am „Kons“ in Würzburg Geige.